21.2.05

Fordern und Fördern

Im Standard konnte ich - im Blatt vom 22. Februar 2005 - einmal eine pointierte Absage an die Gesamtschule hineinpolemisieren - und wieder hat mir die charmante Kollegin Lisa Nimmervoll klug dagegengehalten. Für die, die Polemik mögen:
Die Problemkinder der Pisa-Studie sind die Hauptschüler: Sie können im Schnitt viel weniger als die 15-Jährigen in den "angeseheneren" Schulformen, mit dem Schulerfolg der AHS ist jener der Hauptschule nicht zu vergleichen. Das ist nicht wirklich überraschend. Man weiß seit Jahrzehnten, dass die höheren Schulen Ergebnisse liefern, die sich nicht zu verstecken brauchen (auch nicht vor den Ergebnissen des Pisa-Musterlands Finnland).
Dabei gibt es an den AHS genügend Problemkinder - Schüler, die da und dort nicht mitkommen, die mit Lern- und sonstiger Disziplin Schwierigkeiten haben. Im Schnitt aber gelingt eine ganz gute Schullaufbahn, weil der fordernde Schulalltag zur Leistung anspornt. Theoretisch sollte das an der Hauptschule (und den zahlreichen Versuchen von Gesamt- und "Neuen" Mittelschulen) genauso sein, weil ja eigentlich der gleiche Lehrplan gilt - und weil an der Hauptschule mit besonderer Sensibilität auf die pädagogische und soziale Förderungswürdigkeit schwächerer Schüler eingegangen wird.
Es hilft halt bloß nicht in allen Fällen: Es gibt Schüler, denen mit zehn der Knopf nicht aufgegangen ist - manchen geht er mit 14 auf (für diese gibt es alle möglichen Formen weiterführender Schulen). Manchen geht der Knopf erst ein paar Jahre später auf - auch nicht tragisch, es gibt ja die Möglichkeit, auch nach einer Lehre die Matura zu machen und sogar zu studieren.
Manche schaffen es nie - das muss man eingestehen.
Im Wissen, dass eben nicht alle für eine Schule wie die AHS-Unterstufe geeignet sind, pädagogischen Eintopf für alle anzubieten, ist schlicht eine Aushöhlung der ohnehin bescheidenen Erfolge, die das Bildungswesen erzielt.